Star Fox Zero

Star Fox Zero

Review

Star Fox Zero - CoverStar Fox Zero kann als eine Neuinterpretation des Nintendo 64 Klassikers „Star Fox 64“ bzw. „Lylat Wars“ angesehen werden. Die Story ist nahezu die gleiche wie bei der 19 Jahre alten Vorlage: Der böse Wissenschaftler Andross wurde auf einen weit entfernten Planeten verbannt. Dort schwor er Rache am Lylat-System zu nehmen. Eines Tages tauchen dann seine Truppen auf dem Planeten Corneria auf und es droht die Zerstörung der gesamten Stadt Corneria-City. General Pepper bittet Fox McCloud und sein Team um Hilfe, denn nur sie können die Stadt noch retten.

 

Walker
Der Walker kämpft sich durch die Raumstation

In Star Fox Zero bekämpft ihr die gegnerischen Truppen entweder im klassischen Arwing (Jet), dem Landmaster (Panzer) oder im Gyrowing. Bei einigen Gefährten ist es zudem noch möglich sie zu transformieren. Der Arwing zum Beispiel kann auf Knopfdruck in den Walker, ein Raptor ähnliches Gefährt, verwandelt werden. Der Gyrowing hat noch den Direct-i mit an Bord.

Gyrowing - direct-i
Der Gyrowing mit herabgelassenem Direct-i

Der Direct-i ermöglicht es in kleinere Räume einzudringen und dort diverse Konsolen zu bedienen, die dann den Weg für das Star Fox Team öffnen. Spielerisch bieten die verschiedenen Gefährte eine nette Abwechslung. Manche Level werden recycelt, indem ihr sie mit einem anderen Fahrzeug absolvieren müsst. Das funktioniert auch gut, da sich das Gameplay der Fahrzeuge deutlich voneinander unterscheidet. Zum Beispiel müsst ihr auf dem normalen Weg ein Level mit dem Gyrowing bestreiten, wobei sich das Level als eine Art Schleichmission darstellt. Auf der alternativen Route, steigt ihr dann für das Level in den Arwing und habt eine bestimmte Zeitvorgabe. Dadurch werdet ihr gezwungen eure vorige Taktik über den Haufen zu werfen.

Optisch ist Star Fox Zero ein solides Spiel, jedoch nicht mehr ganz zeitgemäß. Selbst auf der Wii U hat man bereits deutlich Besseres gesehen. Allerdings muss die Konsole auch zu jeder Zeit zwei Bildschirme bedienen, was selbst bei größeren Raumschlachten zu keinen Einbrüchen in der Framerate führt. Auf dem Fernseher ist das Flugzeug aus der Third-Person-Perspektive zu sehen. Auf dem Gamepad dagegen habt ihr die Cockpit-Sicht zur Verfügung. Diese ermöglicht ein zielgenaues Schießen, wodurch ein ständiger Blickwechsel zwischen den beiden Bildschirmen unabdingbar ist.

Dogfight mit dem Arwing
Dogfight im Arwing

Der große Unterschied zwischen Star Fox Zero und Lylat Wars: Die Steuerung

Wir Videospieler sind schon nicht leicht zufriedenzustellen. Zum einen beklagen wir, dass die Weiterentwicklung bei Tripple-A Spielen stagniert, zum Anderen springen wir bei jeder Veränderung unserer geliebten Spiele auf die Barrikaden. Nintendo hat in Zusammenarbeit mit Platinum Games bei Star Fox Zero versucht etwas Neues in die Serie zu implementieren. Zugegebenermaßen wirkt die Bewegungssteuerung bei Star Fox Zero etwas gezwungen und ist definitiv gewöhnungsbedürftig, doch nach einer gewissen Einarbeitungsphase funktioniert sie überraschend gut. Vor allem in Anbetracht der vielen negativen Stimmen bezüglich der Steuerung war ich sogar positiv überrascht. Denn eigentlich gehöre auch ich zu denjenigen, die mit Bewegungssteuerung nicht viel anfangen können. Bei Star Fox kommt man mit minimalen Bewegungen aus, um das Fadenkreuz auf sein Ziel zu bewegen. Auf Knopfdruck ist es dazu noch möglich das Fadenkreuz erneut zu zentrieren. Dadurch kann der Controller beliebig gehalten werden. Zum Beispiel kann das Fadenkreuz bei geneigter Haltung des Controllers zentriert werden, sodass trotz der geneigten Haltung ein frontales Ziel abgeschossen werden kann. Zudem steuert man das Fadenkreuz ebenfalls durch das Lenken des Arwings. Die Motion-Stuerung sollte dann ergänzend eingesetzt werden, um sein Ziel genau ins Visier zu nehmen. Zusätzlich ermöglicht die separate Steuerungsmöglichkeit, dass auch Ziele abseits der eigenen Flugrichtung abgeschossen werden können. Einen Kritikpunkt an der Steuerung habe ich allerdings: Beim Blick auf den Fernseher schießt man, trotz das man sein Ziel genau im Visier hat, daneben. Hier fällt beim Vergleich zwischen Gamepad und Bildschirm auf, dass nur mit Blick auf das Gamepad präzises Zielen möglich ist. Auf dem Bildschirm ist das Fadenkreuz, vor allem sobald man etwas am Bildschirmrand anvisiert, ein gutes Stück neben dem Ziel. Vor allem in den rasanten Dogfights mit Loopings und Barrel-Rolls oder den intensiven Bosskämpfen kann der ständige Blickwechsel zwischen Gamepad und Bildschirm dazu führen, dass man schon mal den Überblick verliert.

Star Fox Zero - Bosskampf

Die Steuerung zu meistern ist allerdings auch essenziell, denn es wird einem nichts geschenkt. Typisch für Platinum Games ist der Schwierigkeitsgrad von Star Fox Zero relativ hoch angesiedelt. Sind die ersten Level noch relativ einfach zu absolvieren, wird das Spiel danach spürbar schwerer. Spätestens sobald ihr euch daran versucht die etlichen Bonusrouten freizuschalten verlangt Star Fox einiges vom Spieler ab. Vor allem bei den Bosskämpfen am Ende der Level kann schon mal das ein oder andere Leben drauf gehen. Besonders gemein: Solltet ihr keine Leben mehr übrig haben, müsst ihr den gesamten Level noch einmal spielen. Es lohnt sich daher in jedem Fall die goldenen Ringe zu sammeln, um sich ein Extraleben zu erspielen. Auch der Arcade Modus, der nach einmaligem Durchspielen freigeschaltet wird, hat es in sich. Hier muss das Spiel ohne Continues abgeschlossen werden.

Obwohl ich am Ende mit der Bewegungssteuerung gut zurechtkam, sehe ich es als negativ an, dass Nintendo und Platinum Games den Spieler dazu zwingen diese zu benutzen. Nintendo hätten sich eine menge Ärger ersparen können, wenn sie eine alternative Steuerung implementiert hätten.

Wohl mein größter Kritikpunkt ist allerdings der fehlende Multiplayer. Es gibt zwar die Möglichkeit ko­ope­ra­tiv zu spielen, trotzdem ist, auch wenn der Fokus auf dem Singleplayer liegt, ein Multiplayer im Jahr 2016 obligatorisch. Selbst bei der Nintendo 64 Vorlage „Lylat Wars“ konnte man sich schon lokal zu viert gegenseitig abballern. Ein Multiplayer, lokal oder online, hätten die Spieldauer noch um einige kurzweilige Stunden verlängern können und wäre eine nette Ergänzung.

Fazit

Der größte Kritikpunkt, den man bei diversen Reviews liest oder hört, ist wohl die Steuerung. Ich kann es verstehen, wenn man sich generell gegen Bewegungsteuerung ausspricht. Das ist jedem selbst überlassen und demjenigen ist auch definitiv von Star Fox Zero abzuraten. Es entzieht sich allerdings meinem Verständnis, dass zum Beispiel „Steuerung erfordert Einarbeitungszeit“ bei einem größeren deutschen Spielemagazin als negativ bewertet wird. Zuerst einmal: Seit wann ist es negativ, wenn ein Spiel und dessen Steuerung Einarbeitungszeit benötigt? Nicht jedes Spiel kann auf einer simplen „drück X und mach alles“ Mechanik bestehen. Manche Spiele benötigen eine gewisse Zeit, damit man mit ihnen zurechtkommt, dadurch können diese Titel doch nicht schlechter bewertet werden. Star Fox ist schwierig und vor allem solange man die Steuerung nicht vollkommen beherrscht wird man abgeschossen.

Die Lernkurve ist entscheidend!

Wichtig ist dann, dass eine Lernkurve entsteht und man merklich besser wird. Und das ist zumindest bei mir der Fall gewesen. Hab ich beim ersten Durchgang noch allein um den Endboss Andross zu besiegen eine Stunde gebraucht, konnte ich mit etwas mehr Übung den Arcade Mode in knapp 70 Minuten abschließen.

Das Spiel nutzt die Hardware der Konsole aus und Nintendo versucht hier mit Platinum Games etwas Neues. Allein das, muss meines Erachtens schon einmal gewürdigt werden. Unternehmen dürfen hier nicht auf die Spieler hören und müssen im Zweifelsfall auch einen Misserfolg hinnehmen. Bei Splatoon waren auch die Stimmen laut, die etwas gegen das Farbgeschmiere oder gegen die Bewegungssteuerung hatten. Trotzdem hat sich das Spiel im Nachhinein als sehr erfolgreich herausgestellt.

Wenn ihr über den Kauf nachdenkt, sollte euch bewusst sein, dass es sich bei Star Fox Zero um einen mehr oder weniger klassischen Arcade-Shooter handelt. Hier entsteht der Wiederspielwert durch das Freispielen der alternativen Routen und später durch die Highscorejagd. Ihr müsst auch damit rechnen, dass ihr nicht jeden Planeten auf Anhieb schafft. Wenn ihr allerdings die Zeit investiert, um die Steuerung zu beherschen und Spaß daran habt für jeden Planet die optimale Strategie herauszufinden, kann Star Fox für einige unterhaltsame Stunden sorgen.

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