Wenn der Kritiker mit dem Publisher …

Ein Plädoyer gegen das  Involvieren von Spielekritikern in die Werbebemühungen von Publishern. Der Begriff des Kritikers ist hier sehr grob gefasst, aber jeder der in irgendeiner Form über Spiele informiert und sich kritisch mit ihnen auseinandersetzt, diese Bewertet und wertend über sie berichtet, darf aus ethischen Gründen nicht an Events von Publishern und Entwicklern beteiligt sein. Ohne die Unterstellungen der bewussten Manipulation, entsteht definitiv ein Bias gegenüber dem Publisher, mit dem zusammengearbeitet wird. Wie objektiv dann noch im Podcast, oder auf der Gamingseite über das Spiel berichtet werden kann, welches man selbst beworben und durch das man selbst Geld verdient hat, bleibt offen. Außerdem lockt der nächste Gig, der wesentlich wahrscheinlicher ist, wenn man das Spiel des Publishers zuletzt positiv diskutiert hat. Schon das beteiligen von Youtubern und Streamern ist kritisch zu betrachten, da sie als Influencer große Macht über ihre Viewer haben. Das weiß natürlich auch der Publisher und nutzt dies gezielt zur Vermarktung von ihren Spielen. Eine Win-Win-Lose Situation, bei dem der ach so authentische Youtube Star und der Publisher zu den Gewinnern zählen. Verlierer bleibt der Konsument, der sich auf seinen Star verlassen hat und der mindestens durch die Auswahl eines bezahlten Titels manipuliert wird. Nicht ohne Grund wurde und wird Paid-Content nur sehr dezent bis gar nicht gekennzeichnet. Wenn diese Person aber in irgendeiner Form Kaufberatung durchführt und Spiele bewertet bekommt diese Art der Kooperation  ein anderes Gesicht. Ich hoffe, dass sich die Branche, vor allem auf Seiten der wenigen Kritiker, die es derzeit noch gibt, mit diesem Problem beschäftigt und publik macht.

Content-Creator, die sich in besagter Form kritisch mit Spielen auseinandersetzen, müssen sich entscheiden auf welcher Seite sie Arbeiten. Der Seite der Berichterstattung oder der Seite der Publisher. Besonders in der Videospieleindustrie ist diese Grenze bereits sehr schwammig. Damit das Medium sich ernsthaft weiterentwickeln kann, braucht es keine reine PR, sondern eine kritische Auseinandersetzung mit dem Medium.

Positiv Beispiel ist Jose Otero, ehemaliger IGN Mitarbeiter und Host des Nintendo Voice Chat Podcasts. Mit dem Wechsel von IGN zum Nintendo Treehouse, hat er mit dem Podcast aufgehört. Das war für NVC Hörer natürlich schade, aber ein richtiger Schritt um die Integrität des Podcasts zu wahren.

Die Kritik richtetet sich demnach auch nicht an die Publisher, da sie lediglich das Ziel haben ihre Spiele zu verkaufen und dieses Ziel ist nachvollziehbar. Die Kritik richtet sich an die vielen Reviewer, Kritiker, Youtuber und Streamer, die sich in die PR der Publisher einbinden lassen. Natürlich lockt das Geld und natürlich ist das cool irgendwo hinzufliegen an einem unterhaltsamen Event teilzunehmen und sich verwöhnen zu lassen. Das hat aber bereits schon dazu geführt, dass Meinungen von genau den Personen, die eigentlich einen informierten Kauf ermöglichen sollten, nicht mehr vertrauenswürdig sind. Es ist schon auffällig, dass die Vorabberichterstattung von Spielen fast immer deutlich positiver ausfallen, als im nachhinein die Review.