Foto: Koelnmesse

Die Gamescom - Eindrücke eines Daheimgebliebenen

Fast eine Woche Gamescom ist nun vorbei und ich habe eine etwas zwiegespaltene Meinung von dem Ganzen. Eingeläutet wurde die diesjährige Spielemesse in Köln durch eine gelungene Pressekonferenz von Microsoft. Sie ist zwar etwas lang geraten und besonders der ausgiebige Windows 10 Part ist vonseiten Microsoft zwar verständlich, da sie ihr neues Betriebssystem erst kürzlich auf den Markt gebracht haben und die Chance auf Werbung eben mitnehmen wollen, aber passt eher auf die IFA. Wenn sie es schon auf der Gamescom zeigen, dann nicht so lange. Daneben wurde mal wieder über irgendwas mit TV gesprochen, dieses mal wenigstens auch relevant für Deutschland, aber nicht wirklich relevant für Gamer. Aber nun ja, die Spiele waren jedenfalls Top. Natürlich gab es keine Mega-Neuankündigung, denn die E3 ist grade mal sechs Wochen her, aber es gab ein paar neue Bilder und Microsoft hat es geschafft einem die X-Box One wirklich schmackhaft zu machen. Forza 6, Quantum Break, Halo 5, Scalebound und Rise of the Tomb Raider, alles exklusiv. Eine Neuankündigung gab es dann doch, und zwar Halo Wars 2. Das Strategiespiel im Halo Universum geht nun in die zweite Runde. Das hat mich jetzt nicht so vom Hocker gehauen, allein schon weil ich bislang kein X-Box Spieler war, aber für Fans war das natürlich schon ein kleines Highlight.

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Für mich ein kleiner Dorn im Auge ist dieses Exklusiv, was vor allem von Microsoft sehr in den Vordergrund gestellt wurde. Aber warum eigentlich? Aus Sicht des Marketings kann ich es mir erklären, man versucht durch Exklusivtitel neben den Spielen auch seine Konsole zu verkaufen. Aber warum wird das von den Spielern gefeiert, dass ein Tomb Raider jetzt exklusiv für die Microsoft Konsole ist? Was hat der Spieler davon? Wenn man etwas darüber nachdenkt, kommt man zu dem Schluss, Nix! Dem Spieler bringt das nichts, außer dass er seinem Kumpel mit der PlayStation und dem restlichen Internet unter die Nase reiben kann, dass seine Konsole der Shit ist. Aber abgesehen von kindischen gebashe bringt es nichts, daher hört doch bitte auf, es als übergeil zu verkaufen, dass ihr ein Spiel exklusiv anbietet. Aber das nur am Rande.

Trotzdem geht dieses Jahr Microsoft mit dem Wissen nach Hause den Präsentationen-Krieg gewonnen zu haben, dass allerdings nahezu konkurrenzlos. Sony war nicht vertreten, Nintendo auch nicht. EA hat seine Sport- und Tanzspiele vorgestellt und Square Enix, ja was war das denn bitte da bei Square Enix. Es war ja keine richtige Square Enix Präsentation, sondern nur über Final Fantasy, aber es war einfach ein langweiliges Gespräch, mit lauter Kulisse, das zum Schluss auch noch einen kleinen Fremdschämmoment hatte, der aber leider das Highlight ihrer Präsentation darstellt.


Besagte Stelle bei 56:27 Minuten

Zur Verteidigung, EA hat natürlich noch das heiß ersehnte Battlefront und das von der Gamescom als „Bestes Strategiespiel“ prämierte Unreval gezeigt. Das Spiel sieht vielversprechend und wirklich liebevoll gemacht aus, aber diese Auszeichnung ist doch eher unpassend. Falls euch Unreval nichts sagt, hier der Trailer.


Bestes Strategiespiel!

Ich würde mich schon als Fan von den Pressekonferenzen und Präsentationen bezeichnen, daher war dieser Punkt für mich relativ enttäuschend vor allem im Vergleich zu der E3, die eine PK Bombe nach der anderen gezündet hat. Nebenbei bemerkt, ich habe keine X-Box, daher ist generell die X-Box Präsentation eher uninteressant für mich, stellte jedoch trotzdem das Highlight an Gamescompräsentationen dar.

Nachdem ich mit Microsoft den Gewinner der Gamescom gekürt habe, möchte ich auch den Verlierer küren, das war mit Abstand Konami. Mal abgesehen von dem recht kleinen Stand, auf dem nichts gezeigt wurde außer Metal Gear Solid, was noch in einem großen Kasten versteckt werden musste aufgrund der USK, und ihrem jährlich erscheinendem Fußballspiel Pro Evolution Soccer, haben sie zum Gamescom Auftakt einen Trailer veröffentlicht.

Der Trailer kündigt doch tatsächlich Silent Hill an, aber anders als erhofft. Was wäre es für eine Überraschung gewesen, wenn doch tatsächlich Konami sich zusammengerissen hätte und hier in Deutschland auf der Gamescom angekündigt hätte, dass doch das kürzlich eingestampfte Silent Hills auf den Markt kommt. Aber dann das, eine Pachinko Maschine, es wurde tatsächlich passend zur Gamescom eine Silent Hill Pachinko Maschine angekündigt mit einem Trailer, der zunächst Silent Hills hat erwarten lassen.

Neben den großen Titeln von EA und Microsoft, gab es noch viele weitere Spiele zu entdecken, die oftmals sogar dieses Jahr noch erscheinen. Da wäre die große Neuankündigung der E3 von Bethesda Fallout 4. Es konnte zwar auch hier nicht angespielt werden, was irgendwie beunruhigend ist, bei einem Spiel das in 3 Monaten erscheinen soll, aber es gab ein paar neue Einblicke. Take 2 hat ein neues Mafia Spiel vorgestellt. Der Trailer sah wirklich eindrucksvoll aus. Der Publisher verbittet sich zwar jeden Vergleich zu GTA, allerdings liegt der Vergleich nah, da es doch recht actionlastig wirkt. Das Spiel setzt etwas später ein als seine Vorgänger, und der Hauptcharakter ist auch nicht direkt in der Mafia, daher kann man nur hoffen, dass das Spiel nicht den typischen Flair verliert, der die beiden Vorgänger so besonders gemacht hat.

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Ein weiteres Top Spiel, was von vielen Gamern schon lange erwartet wird, konnte dagegen ausgiebig angespielt werden, Dark Souls 3. Nachdem Bloodborne nun noch mehr Leute abgeholt hat, macht From Software mit seiner Erfolgsserie Dark Souls weiter. Es soll sich etwas mehr wie Bloodborne spielen, aber trotzdem nicht die Behäbigkeit verlieren, die Fans an dem Spiel so schätzen. Und natürlich bleibt es schwer. Laut den Betreuern vom Stand von Form Software soll bislang nur ein amerikanischer Journalist den versteckten Bereich in dem Abschnitt gefunden haben und keiner der deutschen Journalisten den Endboss besiegt haben. Man weiß allerdings auch nicht wie stark der Charakter gelevelt war.

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Etwas Abseits hat sich ein Spiel versteckt, das ein wenig an die ganz frühen Mickey Mouse Zeichentrickfilme erinnert, nämlich, der Indie Titel von zwei kanadischen Entwicklern, Cuphead. Das Spiel wurde auch von der Gamescom als bester Indietitel prämiert. Vor Ort konnte man den Titel, und viele weitere Indie Spiele auch ohne lange Wartezeiten antesten.

 

 

Es waren natürlich noch etliche Publisher und Spiele mehr auf der Gamescom vertreten, aber alles eigentlich Erwähnenswerte zu erwähnen würde einfach den Rahmen sprengen.

Ich möchte nun zu einem anderen Punkt kommen, und zwar die Lautstärke. Was war da bitte los. In den Hallen wurden, nicht ganz präzise, mit dem Handy um die 100 Dezibel gemessen. (110 Dezibel wäre Discomusik) Allein bei dem Final Fantasy Gespräch habe ich das schon als total unangebracht empfunden, aber wenn man sich die Berichterstattungen von der Gamescom anguckt, stellt man fest, dass es lautstärketechnisch noch wirklich im Rahmen war. Ich hab mal bei den Rocketbeans reingeschaut, aber alles was sie in ihrem Glaskasten gemacht haben, war für mich unguckbar. Ich hatte nach einer Sendung tatsächlich Kopfschmerzen. Also hab ich größtenteils bei Gameswelt alles rund um die E3 geguckt, dort wurde entweder aus dem heimischen Studio gesendet oder kurze Interviews, abseits des Trubels geführt. Einblicke gab es durch eine Hallentour mit einem der Moderatoren. Kleinen Einblick in den Geräuschpegel bei den Rocketbeans gibt es in diesem Video.

Für den Zuschauer zu Hause war es natürlich etwas besser, aber trotzdem unangenehm.

Da müsse sich Moderatoren schon anschreien oder über Headsets kommunizieren, obwohl sie nebeneinandersitzen. Wenn man sich dahingegen mal Interviews direkt von der E3 anguckt, sieht man eine ganz andere Welt. Die Gamescom scheint da eher auf Party und Musik wert zu legen, anstatt auf Spiele.


Kleine Anmerkung, das Video ist vom Pressetag!

Weniger Wert auf Spiele und mehr Wert auf Personen der deutschen Öffentlichkeit scheinen auch die Besucher der Gamescom zu legen, das zeigen auch die Rocketbeans Videos ganz gut. Was da selbst am Pressetag für viele Leute vor dem Glaskasten standen, sogar ohne etwas verstehen zu können. Aber das sind nicht nur Rocketbeans Fans, die Unverständnis in mir auslösen. Auch andere Youtuber waren da und so waren auch die Fans da, auf der Jagd nach einem Bild mit dem Idol. Ich frage mich da, warum Leute überhaupt zu einer Spielemesse fahren. Auch der ehemalige Giga Redakteur David Hain, hat sich darüber in einem Facebook-Kommentar ausgelassen, und schreibt im Prinzip genau das, was mir hier zu Hause aufgefallen ist. Nämlich diesen enormen Personenkult, der auf der Messe der Spiele gefeiert wird.

Auch etwas weniger schön ist, wenn Spiele an den Ständen nicht spielbar sind, sondern die Gäste lange anstehen müssen, um letztendlich nur ein Video und kleine Präsentation zu sehen, die man im Internet ebenfalls gucken könnte. Ich finde es schade für die Menschen, die da Zeit und Geld investieren, zur Gamescom fahren und letztendlich nicht spielen können, was sie sich erhofft haben zu spielen. Bei dem was gespielt werden konnte, muss man horrende Wartezeiten in Kauf nehmen und der Tipp ganz früh da sein, klappt auch maximal einmal. Bei Wartezeiten von 320 Minuten bei einem Xenoblade Chronicles weiß ich nicht mehr, was ich dazu schreiben soll. Selbst vor dem ESL Raum, in dem lediglich die Spiele auf eine Leinwand übertragen werden, sitzen die Leute massenweise vor der Tür und warten.

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Ein letzter Punkt ist für mich noch der im Nachhinein von manchen Medien propagierte Besucherrekord. 345 Tausend Besucher waren da, 5000 mehr als noch im Vorjahr. Ich finde es schön, dass mein Medium Videospiel, nun soweit in der Bevölkerung vertreten ist, dass die Spielemesse von so vielen besucht wird. Aber ich sehe diese Menschenmassen auch als problematisch, zumindest in dieser Form.

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Ich würde sogar so weit gehen, neben der Tatsche dass es Lange Wartezeiten an den Ständen und kein Durchkommen in den Gängen gibt, sogar sicherheitstechnische Aspekte bedenklich sind. Es sind Menschemassen, die Aufeinanderstoßen. Wirklich enorme Menschenmassen. Die Gänge und Stände sind brechend voll und das Publikum besteht größtenteils aus jungen Menschen. Falls es soweit kommt, dass eine Panik ausbricht, habe wir bei der Loveparade vor einigen Jahren gesehen, was passieren kann. Ich hoffe es werden sich in diesem Jahr etwas Gedanken dazu gemacht, und eine Lösung gefunden um die potenzielle Gefahr etwas einzudämmen.

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Dieser Text sollte eigentlich nicht als Rant enden, denn neben den negativen Aspekten dem Personenkult, den schwachen PK’s, dem enormen Lautstärkepegel und den viel zu vielen Menschen gab es für alle mit Geduld und Durchhaltevermögen die Möglichkeit viele Neue Spiele zum ersten Mal anzuspielen oder neue Technik auszuprobieren.

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Zum Beispiel hatten Gamescom-Besucher die Möglichkeit Virtual Reality zu erleben. Projekt Morpheus, die VR-Brille von Sony, kann vom normalen Endverbraucher noch nicht genutzt werden, aber die Redakteure aus der Spielebranche schwärmen bereits seit längerer Zeit von ihr und allgemein von der Virtual-Reality Experience. Da ist die Gamescom natürlich der optimale Ort einen exklusiven Blick auf diese neuen Geräte werfen zu können. Da lohnt sich auch das Anstehen.

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Außerdem gab es auch noch genug zu Spielen. Man konnte zwar aufgrund der Wartezeiten nicht alles sehen, aber wer sich seine Zeit clever eingeteilt hat, hat eben Prioritäten bei den AAA Titeln gesetzt und hat dann noch nebenbei alles an Spielen mitgenommen, die grade nicht so überrannt wurden von der Masse.

Auch gab es abseits der Spiele, Trailer und Präsentationen noch eine Menge Nerdkrams zu entdecken. Es waren natürlich wieder die Cosplayer mit dabei, die mit außergewöhnlichen Kostümen die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Bei vielen Kostümen sieht man, wie viel Mühe sich die Cosplayer gegeben haben und sich die Aufmerksamkeit damit redlich verdient haben.

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Für diejenigen, die eine Pause von der stickigen Luft in den Hallen brauchten, gab es auch outdoor Möglichkeiten zum durchatmen und entspannen.

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Aber auch bewegungsfreudige, konnten die ungenutzte Energie, die sich beim Warten gesammelt hat sportlich entweder beim Headis oder beim Volleyball spielen wieder entladen.

Schön war natürlich auch zu sehen, wie Menschen aus einer Community, sich nun persönlich kennenlernen, zusammen Feiern und quasi gleichgesinnte treffen konnten. Das ist auch das Besondere an der Gamescom. Im Gegensatz zu der E3 ist die Gamescom eine fast komplette Consumer Messe, zu der sich jeder, der gerne möchte, ein Ticket kaufen kann. Die Spiele die gezeigt wurde, waren zwar meist keine kompletten Neuankündigungen, allerdings haben nun Gamer durch die Gamescom hier in Deutschland zum ersten Mal die Möglichkeit die Hände an die neusten Spiele zu legen und sie anzutesten.

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