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Es Part 2

Der gruseligste Clown der Filmgeschichte und Grund vieler Alpträume kehrt zurück. Nachdem 27 Jahre zuvor ein paar mutige Kinder Pennywise scheinbar besiegt haben, geschehen erneut mysteriöse Morde und Angst und Schrecken macht sich breit. Gut, dass die besagten Kinder damals einen Pakt geschlossenen haben Es wieder zu bekämpfen, sollte er erneut das Licht der Welt erblicken.

Review

Es ist für mich nicht einfach nur ein Horrorfilm, sondern ein Coming-of-Age Abenteuerfilm. Schon bei der 90er Jahre Vorlage hat dieses Element einen Großteil des Charmes ausgemacht. Wie die zweite Hälfte des Vorgängers leidet auch Es Part 2 unter dem Fehlen dieser zusätzlichen Komponente.

Was in Part 1 noch wie ein Abenteuer von ein paar Kindern wirkt, die auf dem Weg zum Erwachsenwerden sich ihren größten Ängsten stellen müssen, scheint die Geschichte in Part 2 etwas weit hergeholt. Gut, dass neben dem Genörgel der Erwachsenen regelmäßig Rückblenden gezeigt werden. Dadurch gewinnt der Film gleichzeitig an einer nostalgischen Sentimentalität.

Es Part 2 bleibt seiner Vorlage treu und arbeitet die Stationen nach und nach ab, ergänzt diese allerdings mit gezielten Schockmomenten. Damit werden auch Fans der Vorlage bei Laune gehalten.

Positiv hervorheben möchte ich ebenfalls den Cast, der treffender nicht hätte gewählt sein können. Die Charaktere wurden stimmig weiterentwickelt, sodass aus den Kindern glaubwürdige Erwachsenen geworden sind.

Die Figur des Pennywise gehört für mich in eine Reihe mit Freddy, Myers und Jason sodass er bei mir einen Kultstatus hat. Zudem war Es mein erster Horrorfilm, den ich mit knapp sieben Jahren gesehen habe, wodurch mich die Figur des Pennywise auf einer Ebene geprägt hat, die kein anderer Charakter mehr erreichen wird.

Doch auch ohne diesen Bonus halte ich Es Part 2 für einen überzeugenden Horrorfilm. Er hat genug Schreckmomente, um das Herz zum rasen zu bringen und genug intensive Bilder, um auch in Sachen Splatter genug zu bieten, obwohl er sich in der Hinsicht etwas zurückhält.

Es ist nun schon etwas länger her, dass Es neu aufgelegt wurde. Genug Zeit, damit ich mich mit dem Re-Design anfreunden bzw. mich zumindest daran gewöhnen konnte. Jedenfalls habe ich mich bei Part 2 nicht weiter daran gestört. Auch wenn die Hasenzähne immer noch ein wenig fehl am Platz wirken.

Fazit

Kraftvolle und intensive Szenen machen den Film zu einem gelungenen Horrorerlebnis, welches vor allem auf visueller Ebene überzeugen kann. Der Anfang hat sich etwas in die Länge gezogen angefühlt, ansonsten war ich über die drei Stunden gut unterhalten.

1917

Eli Roth - ClownDie Story von 1917 lässt sich einfach zusammenfassen. Zwei Soldaten bekommen den Auftrag einen Befehl an eine andere Division zu überbringen, sodass sie nicht in eine Falle der Deutschen laufen. Das klingt zunächst wie ein gewöhnlicher Kriegsfilm, doch der Schein kann trügen.

Review

Besonders beeindruckend ist die Kameraführung, die mit sanften Fahrten die Darsteller aus nächster Nähe verfolgt, sodass man das Gefühl bekommt, als dritter Soldat die Protagonisten zu begleiten. Die längste Szene ohne Schnitt ist ca. acht Minuten lang, doch hatte ich durch die ruhigen Kamerafahrten und den exzellent gesetzten Schnitt das Gefühl, dass es in dem gesamten Film nur drei bis vier Schnitte gibt.

Dabei hat 1917 ein ausgezeichnetes Pacing. Es gehen Action und Dialog nahtlos ineinander über. Aus filmtechnischer Sicht sind hier einige Szenen hervorzuheben, die sich auf den gesamten Film verteilen, sodass nie lange Weile aufkommt. Beginnend mit dem Weg durch den Schützengraben zu Anfang des Films, der gleich dem Zuschauer klar macht, dass er in den nächsten zwei Stunden etwas Besonderes zu sehe bekommt, bis zum krönenden Abschluss als der Protagonist quer über das Schlachtfeld, vorbei an den auf den Feind zustürmenden Soldaten läuft.

Auch das Sounddesign trägt seinen Teil dazu bei, dass es einen als Zuschauer an den Bildschirm fesselt. Dabei überzeugt vor allem der Minimalismus. Der Ton unterstützt die Bilder und bildet ein rundes Zusammenspiel.

Fazit zu „1917“

Ein wahrlich durchweg intensiver Film, der zurecht bei den Oscars geehrt wurde. Ich bin in den Film ohne große Erwartungen gegangen und wurde sehr positiv überrascht. Die Geschichte hat seine Höhepunkte, doch vor allem audio-visuelle hat es der Film geschafft mich zu beeindrucken.

Clown

Eli Roth - ClownKent McCoy ist Familienvater und verdient als Immobilienmakler sein Geld. Als sein Sohn Geburtstag hat, veranstaltet er eine große Feier mit dem Thema Clowns. Unerwartet sagt dieser jedoch ab. Wie es der Zufall will, findet Kent in einem seiner Häuser ein Clownskostüm. Die Feier ist gerettet, doch das Kostüm birgt ein düsteres Geheimnis. Einmal angezogen lässt es sich nicht mehr ausziehen, denn es liegt ein Fluch auf dem Kostüm der den Träger langsam in einen Dämon verwandelt.

Eli Roth ist für seinen exzessiven Gebrauch an Blut und Splatterelementen bekannt. Bei „Clown“ hält er sich jedoch etwas zurück. Die FSK 18 Freigabe hat der Film dennoch verdient, da immer mal wieder ein paar Körperteile durch die Gegend fliegen. Vor allem zum Ende hin nimmt der Film an Fahrt auf. Explizite Tötungsszenen werden allerdings größtenteils vermieden.

Eli Roth - Clown

Der Film beginnt ruhig, ja fast schön idyllisch. Der engagierte, aber zu viel arbeitende Familienvater, tut alles um die Geburtstagsparty von seinem Sohn zu retten. Auch als er am nächsten Tag nicht aus dem Kostüm kann, fährt er seinen Sohn zur Schule und geht wie gewohnt zur Arbeit, sodass er verwunderte Blicke erntet und sich dem Spott der Arbeiter aussetzt. Diese Stimmung hält bis ungefähr zur Hälfte des Films an, bis er immer düstere Töne anschlägt. Die Verzweiflung des Vaters wird deutlich größer und nimmt ihren Höhepunkt in einem Suizidversuch. Anschließend übernimmt der Clown die Kontrolle. Wenn man bedenkt, dass die Opfer des Clowns größtenteils Kinder sind, wird die Entscheidung von Eli Roth auf explizite Morde zu verzichten verständlich. Allerdings geht es keineswegs unblutig zu und Splatterfreunde kommen trotzdem auf ihre Kosten.

Eli Roth - Clown

Wirklich gelungen sind die Übergänge zwischen dem Grauen in den Szenen mit dem Clown und den alltäglichen Ereignissen in der Lebenswelt von Kent, die immer wieder gekonnt ineinander überfließen. Zum Beispiel als in einer Szene der Clown einem Kind den Finger abbeißt und in der anschließenden Szene sein Sohn mit Fingerfarbe einen roten Handabdruck auf ein weißes Blatt Papier druckt.

Fazit zu „Clown“

Insgesamt überzeugt „Clown“ durch eine bizarre Story. Die Metamorphose des gewöhnlichen Familienvaters zu einem Horrorclown wird ausführlich dargestellt. Zunächst wirkt der Film daher mehr wie ein Thriller/Drama mit einigen Comedy Elementen, als ein Horrorfilm. Doch spätestens ab der Hälfte ist klar, was einen noch erwartet. Diese Erwartung wird nicht enttäuscht. Zwar hält sich Eli Roth mit expliziten Mordszenen, vor allem an den Kindern, zurück, kompensiert dies aber mit blutig, grausamen Andeutungen. Durch clevere Schnitte schafft der Film zu überraschen und hält somit die Spannung aufrecht. Die Story ist gut entwickelt, sodass man trotz der bizarren Handlung auch abseits der Splattermomente gespannt vor dem Bildschirm hängt.




Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2014
Länge: 100 Minuten
Altersfreigabe: FSK 18

Regie: Jon Watts
Drehbuch: Christopher Ford, Jon Watts
Produktion: Mac Cappuccino, Eli Roth, Cody Ryder
Musik: Matt Veligdan
Kamera: Matthew Santo
Schnitt: Robert Ryang

Besetzung

Andy Powers – Kent McCoy; Laura Allen – Meg McCoy; Peter Stormare – Karlsson; Christian Distefano – Jack McCoy; Chuck Shamata – Walt

Dream Home


Dream Home gehört zu den Filmen, die mit so wenig Vorwissen wie möglich angeschaut werden sollten. Das einzige was im Vorfeld bewusst sein sollte, ist, dass Euch explizite Gewalt und Gore erwartet. Personen mit schwachen Nerven oder Mägen sind damit gewarnt. Jedem, der einen gorelastigen Film im realen Setting sehen möchte, empfehle ich den Film ohne weiterzulesen (gratis bei Netzkino) anzuschauen.

Dream Home - CoverSeit langer Zeit hegt Cheng den Traum, eine Wohnung mit Meeresblick in Hongkong zu besitzen. Allerdings verdient sie trotz ihrer zwei Jobs nicht sonderlich viel und die Finanzkrise treibt die Immobilienpreise immer weiter in die Höhe. Um sich ihren Kindheitstraum dennoch zu erfüllen, greift Cheng zu unkonventionell blutigen Mitteln.

 

Dream Home überzeugt vor allem durch seine Gore-Elemente. Cheng schreckt bei ihren Gewaltexzessen vor nichts zurück und metzelt sich ohne Gnade durch ein Hongkonger Wohnhaus. Durch die vorwiegend praktischen Effekte wirkt die Darstellung von Blut und Gedärmen überzeugend, sodass der Ekelpegel konstant gehalten wird.

Dream Home - Murder

Doch der Film beschränkt sich nicht nur auf sinnloses Gemetzel, sondern äußert sich auch kritisch gegenüber der Wohnsituation in Hongkong. Zu Beginn des Films wird eine Statistik gezeigt, in der zu sehen ist, dass das Einkommen der in Hongkong lebenden Menschen seit 1997 grade einmal im Durchschnitt um 1 % gestiegen ist. Wohingegen allein im Jahr 2007 die Wohnungspreise um 15 % angestiegen sind. Cheng hat zwei Jobs und arbeitet hart um sich den Wunsch eine Wohnung ihr Eigen nennen zu könne zu erfüllen. Doch trotz ihrer Zielstrebigkeit bleibt ihr dieser verwehrt. In Rückblicken erfahren wir mehr zu den Hintergründen von Cheng und lernen ihre Motivation kennen. Ebenso wird gezeigt, dass Cheng schon in ihrer Kindheit ein Opfer der Immobilienwirtschaft war.

Der gesellschaftskritische Ansatz ist allerdings sehr spezifisch. Man kann zwar durch den Hintergrund der Immobilienkrise die Motivation von Cheng nachvollziehen, allerdings reicht diese Thematik nicht aus, um die Waage zwischen Satire und Gore zu halten.

Fazit zu „Dream Home“

Dream Home blüht auf, sobald der Fokus auf seine Horrorelemente gelegt wird. Wenn Cheng mit ihrer Mordserie loslegt, schafft der Film durch eine kompromisslose Darstellung der Gewalt zu schockieren. Sobald allerdings auf das Motiv der Mörderin eingegangen wird, weist er deutliche Schwächen auf. Er bietet zwar durch seine kritische Auseinandersetzung mit der Hongkonger Immobilienwirtschaft einen frischen Ansatz für das Horrorgenre, das sich meist auf banalere Motive stützt, allerdings bleibt der Charakter von Cheng zu eindimensional und unsympathisch, um wahres Interesse an der Figur zu wecken. Die Rückblenden fühlen sich oftmals als deplatzierte Unterbrechung des eigentlichen Interessanten an. Trotzdem halte ich das Konzept des Films für spannend und erkenne den Versuch an, das Horrorgenre durch einen neuen Ansatz zu erweitern. Auch wenn dieser Versuch nicht unbedingt geglückt ist, bleibt Dream Home ein gelungener Horrorfilm, der zwar nicht das Genre neu erfindet, aber dennoch, trotz seiner Längen, mit Blut, Gewalt und Gore zu unterhalten weiß.



Produktionsland: Hong Kong
Originalsprache: Kantonesisch
Erscheinungsjahr: 2010
Länge: 96 Minuten
Altersfreigabe: FSK 18

Regie: Pang Ho-cheung
Drehbuch: Pang Ho-cheung, Derek Tsang, Jimmy Wan
Produktion: Pang Ho-cheung, Conroy Chan, Josie Ho, Subi Liang
Musik:Gabriele Roberto
Kamera: Yu Lik-wai
Schnitt: Wenders Li

Besetzung

Josie Ho – Cheng; Eason Chan; Derek Tsang; Lawrence Chou; Juno Mak; Michelle Ye; Norman Chui – Cheng’s Vater; Wong Ching

Creed - Rocky's Legacy


Creed - CoverApollo Creed und Rocky Balboa waren Feinde im Ring, die über die Jahre zu guten Freunden wurden. Adonis Johnson ist der uneheliche Sohn von Apollo. Nachdem dieser verstorben ist, sucht dessen Frau den jungen Adonis auf, und nimmt ihn bei sich auf. So wuchs Adonis wohlbehütet auf und baute sich eine Karriere auch ohne den großen Namen seines Vaters auf. Als Geschäftsmann konnte er sich in einem angesehenen Unternehmen hocharbeiten, doch seine Leidenschaft liegt im Boxen. Eines Tages fasst er endgültig den Entschluss in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und beschließt professioneller Boxer zu werden. Um sich auf seinen ersten Profikampf vorzubereiten, sucht Adonis den härtesten Kontrahenten seines Vaters, die Boxlegende Rocky Balboa auf. Nachdem Rocky zunächst kein Interesse hat, willigt er ein den hartnäckigen Adonis „Creed“ Johnson zu trainieren.

Creed ist eine würdige Fortsetzung des Rocky Franchise. Der Film greift den Charme der alten Filme auf und hält dennoch genug Neues bereit, um eine eigene interessante Geschichte zu erzählen. Trotzdem habe ich mich aus verschiedenen Gründen an einigen Stellen des Films gestört.

Rocky Adonis "Creed" Johnson

Der Held der früheren Teile wird gelungen integriert, indem Rocky zum Trainer von Adonis Johnson wird. Dabei hat er neben seinem Alter, durch seine gesundheitliche Situation seinen ganz eigenen Kampf zu bestehen. Nicht nur an Rocky hat der Zahn der Zeit genagt, auch Sylvester Stallone ist sichtbar älter geworden. Ihn nun ein vermutlich letztes Mal in seiner Paraderolle als Rocky Balboa zu sehen, hat für eine emotionale Involviertheit in den Film gereicht. Nicht selten habe ich mich dabei ertappt, wie meine Konzentration vom Bildschirm abließ und ich mich für einen kurzen Moment in meinen Gedanken verloren habe: Stallone, Actionheld meiner Jugend, ist 70 Jahre alt. Genau aus diesem Grund konnte ich mich nicht mit dem Weg anfreunden, den der Film gegangen ist. Ich verstehe den Ansatz. Ein 70 jähriger Sylvester Stallone kann nicht mehr selbst in den Ring steigen. Da wird die Krankheit eingesetzt, um seiner Rolle mehr Substanz zu geben, als nur in der Ecke eines aufstrebenden Boxers zu stehen. Im Grunde muss sich Rocky wie schon so oft zuvor aufrappeln und selbst seinen eigenen Kampf, abseits des Rings bestreiten. Einen Kampf, der zum härteste seines Lebens werden soll. Zugegeben gibt dieses Element dem Film noch einen weiteren dramatischen Narrationszweig. Nichtsdestotrotz hätte mir eine einfach nur in die Jahre gekommene Boxlegende gereicht. So wie ich Bruce Willis in Armageddon nicht weinen sehen wollte, will ich auch keinen kranken und gebrechlichen Rocky sehen.

Adonis Creed

Ein wichtiges Element aus den alten Rocky Filmen vermisse ich in dem Reboot. Vor allem in den ersten vier Teile stand Rocky stets einem außergewöhnlichen Kontrahenten gegenüber. Apollo Creed, Clubber Lang und Ivan Drago sind Namen, die man nicht vergisst. In Creed werden drei, vier Boxer vorgestellt, alle haben eine mehr oder weniger erfolgreiche Karriere und gegen einen von ihnen geht es dann zum großen Finale in den Ring. Dabei ist ein Kontrahent blasser als der Andere. Es wurde weder ein überzeichneter Gegner wie bei Rocky 3 oder 4 erschaffen, noch gibt es spürbare Bemühungen einen Charakter wie in Rocky 1 und 2 zu erschaffen.

Ein weiterer Punkt in dem Creed den Rocky Teilen 1 – 4 nicht das Wasser reichen kann, ist der Soundtrack. Die Hip Hop lastige musikalische Untermalung passt zwar zu Creed, lässt aber vergeblich nach markanten Tracks wie Eye of the Tiger, Hearts of Fire oder Gonny Fly Now suchen.

Adonis Creed Fight

Bezüglich der Performance der Darsteller wirken vor allem die Kämpfe im Ring teilweise mehr wie ein choreografierter Tanz, als ein echter Kampf. Mir ist natürlich bewusst, dass es sich bei den Kampfszenen um eine Choreografie handelt, es ist allerdings Aufgabe der Filmemacher mir die Illusion aufrechtzuerhalten und Kämpfe so überzeugend wie möglich zu inszenieren. Dies ist in Creed nur bedingt gelungen und wurde in etlichen Box- und Kampffilmen zuvor besser gemacht.

Filmemacher, die vorhaben in der nächsten Zeit ein Reboot oder Remake eines bekannten Filmes zu drehen, sollten bei Creed sehr aufmerksam sein. Der Film ist nämlich anschauliches Beispiel dafür, wie eine Auferstehung eines Franchise angegangen werden sollte. Der Charme der Reihe bleibt erhalten, es wird der nötige Respekt dem Original gegenüber gezollt und trotzdem eine frisch wirkende Geschichte erzählt. Bricht man Creed herunter, lassen sich deutliche Parallelen zum ersten Teil entdecken: der hungrige Underdog bekommt den Titelkampf, und nachdem er von niemandem als ernster Gegner angesehen wird, verdient er sich den Respekt im Ring.

Adonis Johnson

Im Gegensatz zu Rocky ist Adonis Johnson nach einer anfänglich harten Kindheit wohlbehütet aufgewachsen. Er ist nicht von der Straße in den Boxring gestolpert, sondern hatte eine vielversprechend Karriere, die er auch ohne den großen Namen seines Vaters aufgebaut hat. In den Ring zu steigen ist eine bewusste Lebensentscheidung von Johnson. Generell ist Adonis Johnson ein ganz anderer Charakter als Rocky. Dementsprechend schafft es Creed eine ausgewogene Balance zwischen bekannten und neuen Elementen zu finden.

Fazit zu „Creed“

Das Fazit zu Creed habe ich im Grunde zu Beginn gezogen. Der Film hat zwar einige Probleme, schafft aber trotzdem dem Namen Rocky gerecht zu werden und das Franchise würdevoll fortzusetzen. Die Erfolgsgeschichte von Rocky erlebt durch Adonis „Creed“ Johnson ein Reboot, das die Fortsetzung im neuen Gewand ermöglicht. Eine gelungene Mischung aus Altem und Neuem lässt Creed eigenständig eine gute Figur machen, und sich zugleich passend in die Rocky Reihe einfügen.



Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2015
Länge: 133 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Ryan Coogler
Drehbuch: Ryan Coogler, Aaron Covington
Produktion: Robert Chartoff, William Chartoff, Sylvester Stallone, Kevin King Templeton, Charles Winkler, Irwin Winkler, David Winkler
Musik: Ludwig Göransson
Kamera: Maryse Alberti
Schnitt: Claudia Castello, Michael P. Shawver

Besetzung

Michael B. Jordan – Adonis Johnson; Sylvester Stallone – Rocky Balboa;Tessa Thompson  – Bianca; Phylicia Rashād – Mary Anne Creed; Tony Bellew – „Pretty“ Ricky Conlan;
Ritchie Coster – Pete Sporino; Wood Harris – Tony „Little Duke“ Evers

Teenage Mutant Ninja Turtles (2014)


Teenage Mutant Ninja Turtles - CoverNew York City wird von einer Unterwelt Gang terrorisiert, die sich selbst als Footclan bezeichnet. Der Clan agiert im Schatten, sodass er bei den Einwohnern der Stadt nur als Gerücht kursiert. April O’Neal, eine ambitionierte Journalistin, will das ändern und versucht die Verbrechen des Footclan aufzudecken. Eines Nachts geht April auf eigene Faust einem Hinweis nach und schleicht sich zu den Docks. Dort wird sie nicht nur Zeuge, wie der Footclan einen Container ausräumt, sondern auch, wie eine mysteriöse Gestalt die Verbrecher in die Flucht schlägt. Angespornt von den Ereignissen an den Docks ist sie entschlossener denn je die Aktivitäten der New Yorker Unterwelt ans Tageslicht zu bringen. Bei ihrer nächsten Begegnung mit dem Footclan wird April als Geisel genommen. Erneut tauchen die Gestalten auf, schlagen den Clan in die Flucht und befreien April. Es stellt sich heraus, dass es sich bei den heimlichen Helden um die Teenage Mutant Ninja Turtles handelt. Die vier mutierten Schildkröten Donatello, Raphael, Leonardo und Michelangelo wurden von der Ratte Splinter großgezogen und in der Kunst des Ninjutsu unterrichtet.

Teenage Mutant Ninja Turtles ist nunmehr zwei Jahre alt und es steht bereits die Fortsetzung in den Startlöchern. Nach all der Zeit kann ich mit anderen, sehr viel gnädigeren Augen auf das Franchise Reboot zurückblicken.

Zu Beginn hatten die Turtles und ich einen holprigen Start. Vor allem das Design der Schildkröten hat mich bereits seit dem Release des ersten Trailers gestört. Diese zwei Meter großen, fast schon schleimigen Monster mit ihrem realistischen Look waren einfach zu weit von meiner Vorstellung der Turtles entfernt. Dazu kam noch der Transformer-Shredder, der auf mich wie eine recycelte Figur aus Michael Bays vorigen Filmen wirkt. Ja, sie sehen anders aus als in den vorigen Filmen und Serien, aber nachdem ich mich an die Neuinterpretation gewöhnt habe finde ich das Design gar nicht schlecht. Zudem muss man sich auch vor Augen führen, wer hier das Zielpublikum des Films darstellt. Wenn ich mir vorstelle, ich würde die vorigen Versionen nicht kennen und ginge als mein zehnjähriges Ich in den Film, wäre ich wohl auch begeistert von den Muskelpaketen, die immer einen lockeren Spruch auf den Lippen haben. Wahrscheinlich müssen die Turtles heute so aussehen, um zu funktionieren. Damit sie mit den Standards moderne Filme mithalten können ist jedenfalls klar, dass nicht wie in den Vorgängern erneut auf Kostüme gesetzt werden konnte – allein aufgrund der Actionsequenzen wäre dies undenkbar. Shredder allerdings wirkt auch nach zwei Jahren Bedenkzeit noch wie ein ausgemusterter Transformer.

Teenage Mutant Ninja Turtles - Action

Schnelle Schnitte, Bewegung in jedem Bild – man kennt es von Bay nicht anders. Hier wird der Einfluss des Produzenten auf Regisseur Liebesman deutlich. Denn auch in Teenage Mutant Ninja Turtles steht keine Kamera still und sämtliche Bay typischen Shots wurden irgendwie untergebracht. Doch auch wenn Kritiker seinen Stil kritisieren und als schlecht beurteilen, spricht das Publikum eine andere Sprache. Möglicherweise müssen nicht nur die Figuren so aussehen, wie sie aussehen, sondern auch der filmische Stil ist für die von Youtube geprägte Generation genau richtig – denn genau die soll er doch auch ansprechen. Der Erfolg gibt Bay hier Recht: Mit einem Budget von 125 Millionen Dollar hat der Film bei versetzten Filmstarts innerhalb von zwei Monaten über 350 Millionen Dollar eingespielt.

Jetzt bin auch ich jemand der diese ganzen CGI-Orgien kritisiert, doch ich muss auch anerkennen, dass der Film so wie er produziert wurde funktioniert. Damit meine ich nicht nur an der Kinokasse, sondern auch ich wurde von dem Film, nachdem ich meinen Schutzpanzer der Abneigung abgelegt hatte, gut unterhalten. Die Action, auch wenn komplett im Computer entstanden, ist aufregend inszeniert und bleibt dem Stil der früheren Turtles durch adäquat platzierte Gags treu.

Filmproduzenten versuchen aktuell so häufig wie noch nie mit Reboots und Remakes von Filmen aus den 80er bzw. 90er Jahren die Nostalgiker abzuholen. Dabei scheinen viele Filme bei ihrem ganzen Fanservice zu vergessen etwas Neues zu schaffen. Nehmen wir zum Beispiel Star Wars: man lässt nicht ohne Grund Han Solo durch Harrison Ford wieder aufleben und erzählt dabei die Geschichte des ersten Teils nur mit anderen Charakteren noch einmal. Versteht mich nicht falsch – auch ich hatte Gänsehaut bei „Chewie, we’re home“ im Trailer zu Force Awakens und natürlich habe ich mich gefreut noch einmal Han Solo auf einer seiner Missionen begleiten zu dürfen. Es gibt etliche Beispiele an Filmen, die eine alte Geschichte nehmen und im Endeffekt nur in einem modernisierten Gewand erneut erzählen. Turtles geht einen anderen Weg: das Design ist anders, der Look ist ein anderer und auch die Story weicht von sämtlichen Vorlagen, die mir bekannt sind, ab. Klar, die Turtles sind noch sprechende Ninja-Schildkröten und April ist eine Reporterin, es gibt schon einige Konstante, doch es wurde eben auch viel neu gemacht. Dafür respektiere ich Teenage Mutant Ninja Turtles mittlerweile.

Teenage Mutant Ninja Turtles - Megan Fox

Dass die Entstehungsgeschichte der Turtles dabei die mit Abstand dümmste ist, die je erzählt wurde, ist da eine andere Geschichte. Wir hatten schon eine Ratte, die im Käfig die Bewegungen eines Menschen nachgemacht hat und dadurch Ninjutsu gelernt hat und wir hatten einen Ninjutsu Meister, der mit Mutagen beschmierten Schildkröten in Berührung kam und zur Ratte wurde. Aber das Splinter in der Kanalisation ein Buch über Ninjutsu gefunden hat und sich dadurch zunächst selbst und anschließen den vier Schildkröten die hohe Kunst des Ninjutsu beigebracht haben soll, bringt es auf ein ganz anderes Level von unglaubwürdig. Auch heute ist dies ein Punkt, den ich für kritikwürdig halte und auch selbst am Film kritisiere, allerdings fällt heute meine Gewichtung anders aus. Betrachtet man den Film als Gesamtbild, spielt die Entstehung der Schildkröten kaum eine Rolle. Sie wird in wenigen Sätzen abgehandelt und ist nur Mittel zum Zweck, um die Verbundenheit zwischen April und den Turtles möglichst schnell zu erklären. Das ist zwar schlechtes Storytelling, allerdings weiß ich zu schätzen, dass ich nicht wie so oft mit einer unnötig langen Origin Story konfrontiert werde. Ebenfalls schlechtes Storytelling sind die vielen Plotlöcher. Zum Beispiel stellt sich mir die Frage, warum kann April Sacks hochauflösende Bilder der Turtles zeigen, ihrer Chefin allerdings nur ein Graffiti?

Das mag alles nach einer Apologie eines schlechten Filmes klingen, soll aber nur meine Ansicht verdeutlichen. Jedem sei freigestellt Teenage Mutant Ninja Turtles als schlechten Film zu kategorisieren und viele der geäußerten Kritiken sehe ich nach wie vor als berechtigt an. Ich habe jedoch meine mit Nostalgie beschlagene Brille abgenommen und aufgehört die Filme aus meiner Kindheit als Meisterwerke zu glorifizieren – denn das sind sie nicht. Ich sehe nun klarer und erkenne die Turtles Reincarnation als den kindgerechten Blockbuster an, der sie sein möchte.

Fazit zu „Teenage Mutant Ninja Turtles“

Teenage Mutant Ninja Turtles hat es schwer gegen die Turtles aus unserer Kindheit anzukommen, deswegen solltet ihr Versuchen diese Erinnerungen außen vor zu lassen. Die Filme und vor allem die Serie hat wohl eine Generation geprägt und den Meisten eine ziemlich genaue Vorstellung davon gegeben, wie ein Turtles Film auszusehen hat. Hier kann ein Film an den hohen Erwartungen seines Publikums nur scheitern und genau das spiegelt sich in den Kritiken wieder. Man darf hier allerdings nicht vergessen, dass damals wie heute das Zielpublikum der Turtles Kinder waren/sind. Als ihr die Serie geguckt habt, wart ihr Kinder, und falls ihr heute noch mal in die eine oder andere Folge reinschaut, fließt eine große Portion Nostalgie mit in die Wertung. Nehmt Abstand von euren Erwartungen und versucht das Reboot als das zu sehen was es ist: ein hauptsächlich für Kinder bzw. Jugendliche produzierter Blockbuster. Hätte ich diese Review vor zwei Jahren geschrieben, wäre wie bei so vielen anderen, auch ein kompletter Verriss des Films herausgekommen. Nun, da ich die ersten Eindrücke haben sacken lassen und dem Film eine zweite Chance gegeben habe, hat er mich durchaus unterhalten. Teenage Mutant Ninja Turtles ist bei weitem kein Meisterwerk und auch noch weit entfernt davon ein guter Film zu sein. Trotzdem macht der Film optisch einiges her und weiß durch Action und Humor für knapp zwei Stunden gut zu unterhalten. Ein durchschnittlicher Blockbuster eben. Und was den oft erwähnten Turtles Charme angeht muss ich anmerken, dass im Vergleich zu den bisherigen Verfilmungen, Teenage Mutent Ninja Turtles, allen voran Raphael mit seiner düsteren und rohen Art, am nächsten an der originalen Comicvorlage liegt.



Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2014
Länge: 101 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Jonathan Liebesman
Drehbuch: Josh Appelbaum, André Nemec, Evan Daugherty
Produktion: Michael Bay, Andrew Form, Brad Fuller, Ian Bryce, Scott Mednick, Galen Walker
Musik: Kristin Øhrn Dyrud
Kamera: Nic Sadler
Schnitt: Lance Pereira

Besetzung

Megan Fox – April O’Neil; Pete Ploszek – Leonardo;
Alan Ritchson – Raphael; Jeremy Howard – Donatello;
Noel Fisher – Michaelangelo; Danny Woodburn – Splinter;
Tohoru Masamune – Shredder; Will Arnett – Vern Fenwick;
Whoopi Goldberg – Bernadette Thompson; William Fichtner – Eric Sacks;

Coherence


Coherence CoverCoherence erzählt die Geschichte von acht Freunden, die sich längere Zeit nicht gesehen haben und bei einem gemeinsamen Dinner einen netten Abend verleben möchten. Für eben diesen Abend haben Astronomen angekündigt, dass ein Komet an der Erde vorbeizieht. Doch was eigentlich ein schön anzusehendes Schauspiel am Himmel werden sollte, löst eine Anomalie aus, die das Strom- und Mobilfunknetz zum Erliegen bringt. Im Verlauf des Abends häufen sich die seltsamen Ereignisse, sodass sich die Freunde fragen müssen, was der Komet noch verursacht hat.

Neben der dokumentarischen Optik hat Regisseur James Ward Byrkit sich ebenfalls bemüht die Dialoge besonders authentisch wirken zu lassen. Die Gespräche am Tisch überschneiden sich, was in gewisser Weise chaotisch wirkt, aber auch eine ganz besondere Dynamik mit sich bringt. Bei einem Dinner mit Freunden sind parallel geführte Gespräche üblich, genauso wie das Dazwischenreden. Man hat durch die Art der Inszenierung das Gefühl, eine Gruppe von Freunden zu beobachten.

Sonst passiert am Anfang des Films nicht viel. Als Zuschauer weiß man zunächst nicht, was man von dem Film zu erwarten hat – aber das ist auch gut so. Grade diese Ungewissheit, macht diesen Film sehenswert. Daher habe ich die Inhaltsangabe sehr knapp gehalten und ich würde jedem, dem der Sinn nach einem Mystery Scinece-Fiction-Thriler steht, Empfehlen einfach den Film ohne weitere Informationen zu gucken.

Coherence - Mystery

Nach knapp 15 Minuten nimmt das Kammerspiel dann an Fahrt auf. Schnell steigern sich die Charaktere in die neue Situation hinein – etwas zu schnell für mein Empfinden. Ein Stromausfall und ein Klopfen an der Tür sind für die Protagonisten ein ausreichender Grund zur Panik. Dabei gibt es normalerweise genug Gründe, warum jemand an der Tür klopft – ein Nachbar der nach einer Taschenlampe fragt zum Beispiel. Dazu kommt das übertriebene Schauspiel der Darsteller, das dem Film einiges der aufgebauten Glaubwürdigkeit wieder nimmt. Hier erfolgt die Überleitung zum Hauptteil zu abrupt, wodurch ich mich als Zuschauer trotz der langen Einführung in die Handlung geschmissen fühlte.

Coherence - Drama

Wirklich gelungen ist die Mischung aus wissenschaftlichen Erklärungen, die nicht zu fordernd für den Rezipienten sind und den mysteriösen Geschehnissen, die sowohl den Protagonisten, als auch den Zuschauern Kopfzerbrechen bereiten. Alle Ereignisse erscheinen, trotz ihrer Abnormalität, glaubwürdig.

Nach dem Betrachten von Hintergrundinformationen zu Coherence wusste ich den Film gleich noch mehr zu schätzen. Da wäre zum Beispiel das mit 50.000 Dollar sehr geringe Budget. Der komplette Dreh fand daher zum größten Teil im Haus von Regisseur James Ward Byrkit statt. Des Weiteren gab es kein komplett ausgearbeitetes Script, sondern die Darsteller haben oftmals lediglich mit Stichwörtern zu der jeweiligen Situation gearbeitet und die Dialoge größtenteils improvisiert.

Fazit zu „Coherence“

Coherence ist ein spannender Science-Fiction-Thriller, der vor allem durch sein interessantes Drehbuch überzeugt, in der Umsetzung allerdings seine Schwächen hat. Berücksichtigt man allerdings die Umstände, unter denen der Film entstanden ist, sollte man leichter über einige dieser Mängel hinwegsehen können. Alles in allem wird eine spannende, mit einigen Überraschungen und Wendungen versehene Story erzählt, die man an einigen Stellen erahnen, jedoch nie komplett voraussehen kann.



Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: 88 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: James Ward Byrkit
Drehbuch: James Ward Byrkit und Alex Manugian
Produktion: Lene Bausager, Alyssa Byrkit
Musik: Kristin Øhrn Dyrud
Kamera: Nic Sadler
Schnitt: Lance Pereira

Besetzung

Emily Baldoni – Emily; Maury Sterling – Kevin;
Nicholas Brendon – Mike; Lorene Scafaria – Lee;
Hugo Armstrong – Hugh; Elizabeth Gracen – Beth;
Alex Manugian – Amir; Lauren Maher – Laurie

Herr Fuku-chan von nebenan


71sIF7g9O7L._SL1200_Der 32-jährige Tatsuo Fukuda, den alle nur Fuku-chan nennen, arbeitet als Maler in Tokyo. Seit er die Highschool abgeschlossen hat und nach Tokyo gezogen ist, lebt er ein bescheidenes Leben in dem heruntergekommenen Appartmentkomplex FukuFuku Flats. Tagsüber ist Fuku-Chan durch seinen Job damit beschäftigt Gebäude in Tokyo zu streichen. Abends bastelt er in seiner Freizeit gerne Drachen, die er selbst kunstvoll gestaltet. Fuku-chan ist ein Mensch voller Güte, der sich in die Lage seiner Mitmenschen versetzen kann und ihnen aufmerksam zuhört. Deshalb kommen seine Nachbarn auch zu ihm, wenn sie Probleme haben und fragen um Rat. Als er mal wieder einen Streit schlichten möchte, lernt er seine beiden Nachbarn besser kennen und freundet sich mit ihnen an. Auch wenn der sympathische Fuku-Chan von allen gemocht wird, hat er mit den Frauen bislang kein Glück gehabt. Dies möchte sein Arbeitskollege ändern und arrangiert ein Date für den liebevollen Fuku-Chan.

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Fuku-chan von nebenan ist eine sehr bodenständige Tragikomödie. Bis auf einige surreale Spitzen (z. B. die Szene mit dem riesigen Drachen) fallen nur wenige Szene aus dem Rahmen. Ansonsten wird die Geschichte eines Menschen aus der unteren Mittelschicht erzählt, der jeden Tag seiner Arbeit nachgeht und ein unspektakuläres Leben lebt. Der Humor wechselt sich mit den dramatischen Szenen ab. Dabei wird nicht auf den großen Lacher gesetzt, sonder es wird behutsam und feinfühlig die Pointe eingeleitet.

Etwas absurd wird es jedoch, sobald man die Hintergründe zu dem Film etwas genauer betrachtet. Fuku-Chan wird nämlich entgegen den Erwartungen nicht von einem Mann, sondern von einer Frau gespielt. In Japan ist die Darstellerin von Fuku-chan Miyuki Oshima eine berühmte Komikerin, in Deutschland dürfte sie allerdings kaum jemandem bekannt sein.

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Fuku-Chan ist ein freundlicher junger Mann, der voller Güte allen seinen Mitmenschen jederzeit behilflich ist. Diese Mentalität von Fuku-Chan wird auch durch den Film transportiert. Hier wird das einfache Leben zu etwas Besonderem. Es wird auf unterhaltsame und doch gefühlvolle Weise das Konzept von Schönheit hinterfragt. Niemand hält Fuku-Chan mit seinem rundlichen Gesicht für ein Model, doch Chiho entdeckt in ihm eine ganz besondere Schönheit und möchte von ihm einen Bildband machen. Dabei versucht sie nicht, Fuku-Chan besonders herzurichten, sondern sucht die schönen Momente im Alltag. Sie fotografiert ihn während seiner Arbeit, während er glücklich mit seinen Freunden einen Drachen steigen lässt oder er sein Abendessen genießt.

Etwas von seiner Leichtigkeit büßt der Film ein, sobald das Thema Mobbing aufkommt. Hier wird deutlich, dass Fuku-Chan nur oberflächlich glücklich ist. Im Innern ist er ein tief verletzter junger Mann, dessen mangelnde Kompetenzen im Umgang mit Frauen, auf die traumatisierenden Erlebnisse während seiner Schulzeit zurückzuführen sind. Er versteckt seine verletzliche Seite hinter seinen Angewohnheiten. So spielt er lieber mit seinen Freunden mit seinem selbst gebastelten Drachen, als sich mit der Frau zu unterhalten, die sich für ihn interessiert. Als dann eine Frau aus der Vergangenheit in sein Leben tritt – seine erste große Liebe – kommt seine verletzliche und hoch sensible Seite zum Vorschein.

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Fazit zu „Herr Fuku-chan von nebenan“

Fuku-Chan von nebenan ist ein sehr herzlicher Film, der trotz seiner tragischen Elemente nicht seine Leichtigkeit verliert. Er lässt einen über Begriffe wie Schönheit und Normalität nachdenken, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger etwas anzuprangern. Fuku-Chan passt nicht in das Weltbild, das die meisten von einem normalen Leben haben. Er hat mit Mitte 30 noch keine Frau, interessiert sich für Drachen und lässt diese gerne steigen. Auch gilt er mit seinem runden Gesicht nicht als schön im Sinne des Idealbildes, das sich gesellschaftlich herauskristallisiert hat. Und trotzdem entdeckt Chiho in ihm etwas Besonderes. Die Mischung aus Klamauk, feinfühligem Humor und Dramatik machen Herr Fuku-chan von nebenan zu einem warmherzigen Film mit Wohlfühlfaktor.



Produktionsland: Japan, UK, Italien, Taiwan,
Deutschland
Originalsprache: Japan
Erscheinungsjahr: 2015
Länge: 110 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Yosuke Fujita
Drehbuch: Yosuke Fujita
Produktion: Naoko Arai, Keiko Fujimura, Adam Torel
Kamera: Yoshihiro Ikeuchi
Schnitt: Yoshisuke Hori

Besetzung

Miyuki Oshima – Fuku-chan; Asami Mizukawa – Chiho Sugiura;
Yoshiyoshi Arakawa – Shimacchi

Chappie


Chappie CoverDer Film Chappie beginnt mit einem Zusammenschnitt aus Nachrichten, die über Gewalt und Kriminalität in Johannesburg berichten. Polizisten haben immer wieder das Nachsehen im Kampf gegen die Banden, doch das soll sich nun ändern. Auf einer Pressekonferenz stellt der Polizeipräsident die neue Wunderwaffe gegen alles, was momentan in der Metropole schief läuft, vor. Korruption, Gewalt und Kriminalität sollen von dem Robopolizisten zerschlagen werden und die Stadt wieder in neuem Glanz erstrahlen lassen. Dieser Polizeiroboter wurde maßgeblich von dem Ingenieur Deon Wilson entwickelt. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die einzige Art Roboter. Vincent Moor, ein weiterer Ingenieur, der mit Deon zusammenarbeitet, hat ebenfalls einen Roboter entwickelt. Sein Roboter handelt jedoch nicht selbstständig, sondern muss von einem Menschen ferngesteuert werden. Letztendlich hat sich das Unternehmen gegen die ferngesteuerten Maschinen von Moor entschieden. Seitdem nutzt er jede Gelegenheit Deon und seine autonomen Roboter schlecht dastehen zu lassen. Obwohl Deons Robopolizisten sich bereits im Einsatz als erfolgreich erwiesen haben, ist er noch nicht am Ende seiner Forschung. Er hat sich zum Ziel gesetzt seine Polizeiroboter weiterzuentwickeln, sodass sie eines Tages eine echte künstliche Intelligenz besitzen. Sie sollen genauso wie ein Mensch lernen können und selbst Entscheiden, welches Handeln für sie richtig oder falsch ist. Zu Hause forscht Deon deswegen unermüdlich weiter, um aus seiner Fantasie irgendwann Realität werden zu lassen. Eines Abends scheint ihm der Durchbruch tatsächlich gelungen zu sein. Jetzt fehlt ihm nur noch das passende Testobjekt. Am nächsten Tag versucht er seine Vorgesetzte von dem Projekt zu überzeugen, doch vergebens. Kurzerhand beschließt Deon seine Forschung auf eigene Faust fortzusetzen und stiehlt einen defekten Polizeiroboter. Grade als er sich auf den Heimweg begibt, treten Yolandi und Ninja auf den Plan und entführen Deon mitsamt seinem Roboter.

Robopolizist

Robcop trifft Nummer 5. Der Film Chappie erinnert in seiner Prämisse deutlich an den 80er Jahre Klassiker Robocop. Auch hier sollen die bisherigen Polizisten, durch Roboter ersetzt werden. Spätestens sobald der Moose vorgestellt wird, der deutlich an den ED-209 erinnert, sind die Gemeinsamkeiten nicht mehr von der Hand zu weisen. Der neidische Ingenieur, dessen Idee verkannt wird und der nun einen Plan ausheckt, wie er das aktuelle Programm sabotieren und seiner Erfindung doch noch zum Durchbruch verhelfen kann.

Chappie Panorama

Posititv an dem Film aufgefallen und wirklich beeindruckend waren die Locations. Der Kontrast aus Science-Fiction Setting und den rauen Straßen von Johannesburg haben eine aufregende Komposition ergeben. Die Sets waren allerdings das einzig Authentische. Die Charaktere wirken die meiste Zeit völlig überzeichnet, um nicht zu sagen lächerlich. Es hätte dem Film gut getan, wenn Blomkamp auf richtige Schauspieler zurückgegriffen hätte. Optisch passen die zwei Gestalten zwar gut und der Soundtrack war durch die beiden Mitglieder der Band „Die Antwoord“ auch eine Bereicherung, aber die Darbietung der drei Gangster ist bemerkenswert schwach.

Ninja - Chappie

Der Film Chappie scheint sein Ziel völlig aus den Augen zu verlieren. Aufgrund der lächerlich wirkenden Charaktere und Handlung kann man den Film einfach nicht ernst nehmen. Oft stellt sich die Frage, was an dem Film nun Komik sein soll und was nur unfreiwillig komisch wirkt. Das Roboter Baby, das den Gangster imitiert. Yolandi, die besorgte Mutter, die sich doch nur um den kleinen Chappi sorgt. Unterstützt wird die melodramatische Handlung in den ruhigeren Szenen durch eine völlig überzogene und deplatziert wirkende theatralische Musik. Hier wird dem Zuschauer mit aller Deutlichkeit signalisiert, dass er sich hier um Chappie und Co. sorgen soll.

Chappie - Fistbump

Sobald die Botschaft der Szene dem Zuschauer mit der Faust aufs Auge präsentiert werden muss, weiß man, dass gesellschaftskritische Ansätze hier nicht zu erwarten sind. Dabei war mit Robocop die Vorlage bereits da, allerdings wurde das Potenzial durch eine Aneinanderreihung von Albernheiten gnadenlos verschenkt.

Um mit etwas positivem abzuschließen, soll hier die wirklich gelungende Darstellung des Roboters Chappie erwähnt werden. Mimik und Gestik wirken bei Chappie authentischer als bei so manch menschlichem Schauspieler in dem Film.

Fazit

Chappie ist ein Film, der durchaus unterhalten kann, solange man nicht zu hohe Erwartungen hat. Blomkamp schafft es nicht, an die Qualität von District 9 anzuknüpfen und auch ein Vergleich zu seiner offensichtlichen Inspirationsquelle Robocop, tut dem Film ebenfalls keinen Gefallen. Wenn man sich aber damit abfinden kann, nicht die tiefgründigste Geschichte erzählt zu bekommen, bleiben noch die nett anzusehenden Bilder und die zahlreichen humoristischen Momente, die meist allerdings aus Albernheiten bestehen.



Produktionsland: USA, Mexiko
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2015
Länge: 120 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Neill Blomkamp
Drehbuch: Neill Blomkamp, Terri Tatchell
Produktion: Neill Blomkamp, Simon Kinberg
Musik: Hans Zimmer
Kamera: Trent Opaloch
Schnitt: Julian Clarke, Mark Goldblatt

Besetzung

Sharlto Copley – Chappie (englische Originalstimme und Motion Capture); Dev Patel – Deon Wilson; Hugh Jackman – Vincent Moore;
Yolandi Visser – Yolandi; Watkin Tudor Jones – Ninja;
Sigourney Weaver – Michelle Bradley; Jose Pablo Cantillo – Amerika

A Company Man


A Company Man - CoverHyung-do ist ein Company Man und arbeitet laut eigener Aussage für eine ganz normale Firma in Südkorea. Allerdings ist die Firma nur zum Schein ganz normal, denn sie ist spezialisiert auf das professionelle Töten von Menschen. Hyung-do ist ein guter Angestellter, sogar einer der Besten auf seinem Gebiet. Er erledigt jeden Job zielstrebig, effizient und leidenschaftslos. Das ändert sich allerdings, als er den Auftrag bekommt seinen jungen Partner umzubringen. Als letzten Wunsch äußert dieser die Bitte seiner Mutter seine Ersparnisse zukommen zu lassen, die er in der Zeit in der Firma angesammelt hat. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei der Mutter um Mi-yeon, eine ehemalige Sängerin, die Hyung-do früher sehr gemocht hat. Die Beiden fangen an Zeit miteinander zu verbringen und der Auftragskiller lernt ein Leben abseits der Firma kennen. Letztendlich erkennt er, dass er nicht länger seiner Profession nachgehen möchte, und beschließt in den vorzeitigen Ruhestand zu treten. Doch diese Entscheidung lässt ihn zur Zielscheibe der Firma werden, denn ein Ausstieg ist für gewöhnlich nur im Leichensack möglich.

Bei „A Company Man“ können durchaus Parallelen zu dem durchschnittlichen koreanischen Arbeiter gezogen werden, der ebenfalls pflichtbewusst in einer melancholischen Lethargie seinem bedeutungslos erscheinenden Job in einer riesigen Firma nachkommt und sich fragt, ob das nun alles im Leben gewesen sein soll.

A Company Man -

Genau diese Frage stellt sich nämlich auch Hyung-do als er Mi-yeon begegnet. So interessant diese Allegorie doch scheint, wird das Potenzial durch den Einsatz von typischen Klischeefiguren verschenkt. Hyung-do ist ein kaltblütiger Killer, wodurch es einem ohnehin schwerfällt, Sympathie zu dem Protagonisten aufzubauen. Auch wenn darauf verzichtet wird ihn beim Morden Unschuldiger zu zeigen, ist doch jedem klar, dass er, um an die Spitze der Firma zu kommen, etlichen Menschen das Leben genommen hat. Dazu kommt noch, dass der Protagonist wahrlich kein Mann vieler Worte ist, sodass es insgesamt an der nötigen Tiefe des Charakters fehlt.

A Company Man

Bei der Inszenierung kommen innovative Kameraeinstellungen zum Einsatz die in Verbindung mit den dynamischen Schnitten die actiongeladene Choreografie gelungen in Szene setzen. Doch trotz dieser Action Highlights und der vielversprechenden Prämisse bleibt A Company Man ein ruhig verlaufendes Action-Drama, das in weiten Teilen nur bedeutungslos vor sich hinzu plätschern scheint.

Trotzdem ist „A Company Man“ ein solider Film, der vor allem Leuten Spaß machen wird, die ohne große Erwartungen an ihn herangehen. Sucht man allerdings den Vergleich zu Genregrößen wie „Bittersweet Life“, „I saw the Devil“ oder „The Man from Nowhere“ ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Hier haben die Werbetexte dem Film keinen Gefallen getan.

Fazit

Trotz der nur 96 Minuten Laufzeit hatte A Company Man, besonders aufgrund der einfarbigen Charaktere und der vorhersehbaren Story seine Längen. Sobald es allerdings kracht, spielt der Film seine Trumpfkarte aus und die liegt in der aufregenden Inszenierung der Actionsequenzen. Stilistisch hat sich Regisseur Lim Sang-yoon erkennbar an Genregrößen orientiert, allerdings diese nicht übertroffen, wodurch ein voreiliger Vergleich dem Film nur schadet. Unvoreingenommen betrachtet ist „A Company Man“ ein gelungenes Erstlingswerk, das sicher seine Macken hat, aber durchaus zu unterhalten weiß.



Produktionsland: Süd Korea
Originalsprache: Koreanisch
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: 96 Minuten
Altersfreigabe: FSK 18/ ungeprüft

Regie: Lim Sang-yoon
Drehbuch: Lim Sang-yoon
Musik: Mowg
Kamera: Lee Hyung-deok
Schnitt: Nam Na-yeong

Besetzung

So Ji-sub – Ji Hyeong-do; Lee Mi-yeon – Yoo Mi-yeon; Kwak Do-won – Kwon Jong-tae; Kim Dong-jun – Ra Hoon; Lee Geung-young – Ban Ji-hoon, department head; Han Bo-bae – Ra Bo-seul; Yoo Ha-bok – Jin Chae-gook, department head; Yoo Na-mi – Miss Ahn, receptionist; Hong Kyung-yeon – Yang, chief of equipment materials team; Jeon Guk-hwan – Representative Jeon; Lee Jae-yoon – Shin Ip-nam, sales;