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5 Centimeters Per Second  Byôsoku 5 senchimêtoru (2007) on IMDb

Review

5 centimets per second coverIn dem Anime „5 Centimeters Per Second“ geht es um den Jungen Takaki, der seine Jugendliebe nach der Grundschule aus den Augen verliert. Akari zieht mit ihren Eltern um, sodass die beiden in der Oberschule nicht mehr zusammen zur Schule gehen können. Auch jetzt trennt sie schon eine für Kinder kaum zu überwindene Entfernung, doch sie versuchen mit Briefen den Kontakt aufrecht zu erhalten. Als Takaki nun erneut Umziehen muss und die Distanz zwischen den Beiden diesmal noch größer wird, beschließen Sie sich ein letztes Mal zu treffen. Takaki reist zu ihr, doch genau an dem Tag bricht ein Schneesturm aus, der zu enormen Verspätungen führt.

Der Anime wird in drei Kapiteln erzählt, wobei der Inhalt den ich bislang beschrieben habe, zum ersten Teil des Anime gehört. Wer sich nicht weiter Spoilern lassen möchte, sollte jetzt nicht weiterlesen, denn die Review ist quasi eine Filmbesprechung, die auch in einem anderen Forum so veröffentlicht wurde. Daher sind in der Besprechung Major-Spoiler enthalten.

5 centimets per second Thumb

Der Anime hat durchweg einen sehr ruhigen Stil, der immer mit stimmungsvoller Musik untermalt ist. Die Bilder sind wirklich schön und besonders die Closeups bieten einen unglaublichen Reichtum an Details. Nur die Gesichter der Protagonisten wirken recht leer und minimalistisch, zumindest im Gegensatz zu dem Rest. Durch den liebevoll romantisierten Umgang mit der Natur werden die Gefühle der Charaktere optisch elegant dargestellt. Überhaupt sind die Kameraperspektiven wirklich außergewöhnlich und allein aufgrund der Bildkompositionen ist der Film schon ein Highlight.

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5 Centimeters Per Second wird in drei Episoden erzählt, wobei ich Episode 1 und 3 wesentlich stärker finde als Episode 2. Wird in Episode 1 bei dem romantischen Kuss noch auf das Typische peinlich berührt sein verzichtet, taucht es dann in Episode 2 wieder auf. Dort wird man aus dem sonst so intensiven Film wieder etwas herausgerissen, wenn seine heimliche Flamme erst ertappt wird, wie sie sich hinter der Wand versteckt, dann nur verlegen hinter ihm herdruckst, um ihm am Ende doch nichts von ihrer Liebe zu sagen und auf dem Weg nach Hause neben ihm in Tränen auszubrechen.

Episode 1 hat dahingegen geschafft die Geschichte von zwei Teenagern ohne großen Kitsch zu erzählen und hat dem Zuschauer ganz gezielt die Hilflosigkeit in dem Alter wieder zurück vor Augen geführt, aber auch die Unbedrücktheit. Am Anfang hat es ihn gar nicht so schwer getroffen, dass seine Schulfreundin weg war, erst hinterher hat er realisiert, was sie für ihn bedeutet. Auch am Ende der ersten Episode war immer noch sie die betroffenere. In Episode 2 hat sich das Ganze schon etwas gedreht, obwohl man von ihrem Leben nichts mehr erfahren hat, ist er nicht viel weiter vorangekommen. Er war fixiert auf seine Jugendliebe. Das zieht sich bis in Episode 3, in der er im Berufsleben angekommen ist, aber seine Kindheitsliebe so sehr vermisst wie nie zuvor.

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Das war dann genau mein Problem, ich suchte ja keinen Film, der wehtut, sondern am besten nur oberflächliche Unterhaltung liefert. Das Schlimme ist eben man leidet nicht nur mit dem Film und in deren Welt mit, auch in der realen Welt schwirren einem die Gedanken durch den Kopf. Man erkennt sich in so vielen Situationen wieder und muss zurückdenken, an die bittersüße erste Liebe und die erste Enttäuschung die man erleben musste. Zuvor habe ich die minimalistischen Gesichter im Gegensatz zu den sonst so eindrucksvollen Bildern und dem Detailreichtum erwähnt, liegt es vielleicht daran. Möchte Makoto Shinkai es einem wohl dadurch noch leichter machen, sich in seine Charaktere hineinzuversetzen, sich ganz der Melancholie hinzugeben, seine eigenen Erinnerungen mit auf die Charaktere zu projizieren?

MAJOR-SPOILER

Das Schöne an dem Film ist, er bricht mit den Gepflogenheiten des Genres und bedient nicht unbedingt jedes Klischee. Mehr noch bietet er hingegen unglaublich viele subtile Anspielungen. Zum Beispiel wird die Synchronstimme bei Akari vom ersten in den dritten Teil gewechselt, bei Takaki bleibt diese gleich, was darauf deuten lässt, dass er immer noch im Grunde ein Kind geblieben ist und sich nicht weiterentwickelt hat. Er ist nicht über seine erste Liebe hinweggekommen, Akari hingegen steht kurz vor ihrer Hochzeit. Sie vermisst ihn zwar auch, allerdings lebt sie ihr leben weiter und lebt nicht nur in der Vergangenheit. Besonders das Ende hat mich dann noch überrascht, ich hätte ja an ein Happy End geglaubt und das bis zum Schluss. Ein Film mit so bedrückender Stimmung muss doch eigentlich positiv enden, doch das tut er nicht. Er dreht sich zwar um, doch als der Zug vorbei gefahren ist, blickt er nur die verregnete Straße hinunter.


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